what traveling taught me about happiness

Es ist Zeit für meinen ersten ‚richtigen‘ Blogpost, seit ich mich vor drei Wochen in ein Flugzeug gesetzt habe und auf die andere Seite der Erdkugel geflogen bin – Sydney. Über all die einzigartigen Erfahrungen die ich hier jeden einzelnen Tag machen darf schreibe ich ja schon jeden Tag ausführlich. Und zumindest diese Postserie möchte ich auf Englisch schreiben. Was mit dem Rest hier passiert weiß ich noch nicht. Die ersten Tage meiner Reise waren ein atemberaubender Wahnsinn. Ich war erfüllt voller neuer Eindrücke. Ich habe mich dem Leben geöffnet und zum Schreiben eines Blogposts blieb da irgendwie nicht mehr viel übrig. Erst einmal habe ich mich selbst wieder von der einzigartigen Erfahrung des Leben selbst inspirieren lassen. All die wunderschöne Unsicherheiten die ich in den ersten Tagen durch diese unbekannte Stadt erfahren habe, haben mich in mir selbst ein zuhause voller Liebe finden lassen – ich war alleine, aber ich war nicht einsam. Ich habe die Verbundenheit mit jeder einzelnen Art des Lebens in dieser Stadt gefühlt. Ich habe mich als ein Teil des Ganzen gefühlt und das Ganze geliebt. Nun mittlerweile habe ich mich in Sydney eingefunden. Ich wohne am Bondi Beach und der tägliche Spaziergang den Berg hinauf entlang all den kleinen Läden zur Zugstation Bondi Junction fühlt sich nicht mehr wie eine Exkursion durch den unberührten Regenwald an – es ist mittlerweile irgendwo wieder zu einer Gewohnheit geworden, so wie es vor ein paar Monaten noch der tägliche Spaziergang durch den Wald zur U-Bahn Station war. Das Gefühl, dass ich selbst mein eigenes zuhause bin ist wieder abgeklungen, die nun schon so vertraute Umgebung des Bondi Beach fühlt sich mittlerweile wie mein zuhause an. Und trotzdem ist irgendwie alles anders. Mit meiner Ankunft in Sydney habe ich mir selbst ein Versprechen gegeben. Ein Versprechen, dass sich jeder, jederzeit selbst geben kann, ganz egal an welchem Ort auf diesem Planeten er sich befindet.

Nachdem der schönste Sommer den ich in meinem Leben bis dahin jemals erlebt hatte, vorbei war, sich dem Ende zugeneigt hat, fühlte es sich im Nachhinein so an, als hätte ich mein Leben auf Automatik gestellt. Ich lebte in meinen selbsterschaffenen Strukturen um die Ordnung zu bewahren, die ich benötigte um mich nicht von meinen menschlichen Emotionen, Gedanken und Gefühlen aus der Fassung bringen zu lassen. Im Nachhinein sehe ich so klar, wie ich mich dem Leben nicht mehr geöffnet habe, sondern mich ängstlich verschlossen habe. Nachdem die Fassade nach und nach bröckelte, nahmen die Dinge ihren Lauf. Es fühlte sich an, als würde ich zum ersten mal in meinem Leben wirklich bewusst mit meinem Menschsein in Berührung kommen. Mit allem – allen Emotionen, allen Gedanken, allen Gefühlen, und nach und nach auch allen verdrängten Erfahrungen der Vergangenheit. Wenn man sich jahrelang stets hinter Strukturen versteckt hat kann das eine gruselige und überfordernde Angelegenheit sein. Ich war hemmungslos überfordert, und vielleicht fühlt es sich eben genau so an, wenn man sich zum ersten mal auf das Menschsein einlässt. Seit Jahren wusste ich, dass ich mein Leben irgendwo zwanghaft kontrollierte, ich konnte all das zwar nicht wirklich greifen, aber ich wünschte mir, dass ich mich selbst eines Tages befreien könnte um ein glückliches und freies Leben zu leben – ein Leben, indem ich liebevoll jeden Moment genau das tun kann, wonach mir ist.

Und genau dieses Leben, oder besser gesagt diese Art, wie ich das Leben erfahre, ist nun zu meiner wunderschönen Realität geworden. Der Weg dorthin sah von außen so aus, als wäre es vollkommen vorbei mit mir – aber wie gesagt: vielleicht ist das eben genau so, wenn man zum ersten mal alle Gefühle durch sich hindurchfließen lässt, ohne alles zu kontrollieren, zu kompensieren oder davor wegzulaufen. Die letzten Monate in Hamburg habe ich hilflos und verängstigt gegessen, geschlafen, oder nach anderen Menschen gesucht um mich nicht alleine zu fühlen. Verglichen damit, wie mein Leben mit der noch halbwegs intakten Struktur einige Monate zuvor ausschaute, schämte ich mich. So froh ich auch darüber bin dass dieses Kapitel des Lebens nun abgeschlossen ist, irgendwo war dort währenddessen eine Art der Sicherheit in mir – ich wusste dass es mit dieser Phase etwas Gutes auf sich haben würde – ich wusste, dass ich die alten Mauern gerade so richtig radikal niederreisse. Ich war dabei, hoffentlich endgültig alle Strukturen loszulassen mit denen ich mich jemals vor dem Menschsein versteckt hatte.

Mit meiner Reise hinaus in diesen Planeten gab ich mir ein Versprechen. Ich würde jeden einzelnen Tag die Entscheidung treffen, das Menschsein zu erfahren. Ich lasse alle Emotionen und Gefühle und Gedanken durch mich hindurchfließen – ohne mich zu verschließen – ich möchte trotz allem was ich in diesem erfahren werde leben und glücklich sein. Glücklich zu sein bedeutet für mich mittlerweile etwas ganz Neues. Wahres Glück bedeutet für mich, die ganze Gefühlspalette die mich ich an jedem einzelnen Tag auf neue Art und Weise erfahren darf, zu beobachten und sie durch mich kommen und gehen zu lassen. Es bedeutet, mich nicht länger von ihnen definieren zu lassen oder ihnen erlauben, über mein Glück bestimmen zu dürfen. Wenn meinem Verstand etwas Angst und Sorge bereitet, dann lasse ich diese Gedanken kommen und gehen und bin glücklich dabei. Glücklich darüber, diese menschliche Erfahrung auf diesem Planeten machen zu dürfen. Glücklich zu sein ist für mich eine Entscheidung – in jedem einzelnen Augenblick. Wenn ich weinend durch die leeren Straßen Sydneys laufe, weil gerade angestaute Emotionen der Vergangenheit zum fließen kommen – dann kann ich unter dieser Oberfläche friedlich glücklich darüber sein, dieses Leben so frei erfahren zu dürfen und in jedem einzelnen, rohen Moment wachsen zu dürfen – wenn ich es eben nur zulasse.

Oft denken wir, dass es außerhalb unserer Möglichkeiten liegt ob wir nun glücklich sind oder nicht. Doch wenn wir das Leben bedingungslos annehmen mit all den Erfahrungen die es für uns bereit hält, dann können wir in jedem Moment des Lebens glücklich sein. Ob nun all unser Besitz genommen wird, ein geliebter Mensch stirbt, wir einen Flug verpassen oder sonst irgendetwas passiert das unseren Verstand in Aufruhe bringt. Wir können uns trotz alldem immer dazu entscheiden, unsere Gedanken über die Situation kommen und gehen zu lassen und glücklich und dankbar all das anzunehmen, das ist. Bedingungsloses glücklich sein ist eine Entscheidung in jedem einzelnen Moment des Lebens, ganz gleich wie er aussehen mag. Ich habe mich dazu entschieden, meine Reise durch diesen Planeten dafür zu nutzen, genau das zu lernen. Ich lerne, mich von den Gedanken zu lösen, die mir einreden dass das Leben mir etwas schuldig wäre, dass es auf feine bestimmte Art und Weise auszusehen hat, oder dass ich nur dann glücklich bin, wenn etwas bestimmtes im Außen passiert. Ich lerne, mich für das bedingungslose Glück zu entscheiden, diese menschliche Erfahrung mit alledem was sie für mich eben mit sich bringt, machen zu dürfen. Ich bin dankbar dafür, all die von meinem Verstand erbauten Schutzmauern jeden Tag noch ein Stück weiter niederzureißen und das Leben einfach das sein zu lassen, das es ist. Ich brauche rein gar nichts zu kontrollieren oder zu kompensieren. Das Einzige was ich in diesem Leben lernen darf, ist es, mit all den verschiedenen Emotionen, Gedanken und Gefühlen die das Leben mit sich bringt, wenn man es das sein lässt, das es ist, durch mich hindurchfließen zu lassen – es durch mich hindurchfließen zu lassen und bedingungslos glücklich darüber zu sein, dieses kostbare Geschenk das sich Leben nennt, erfahren zu dürfen.

4 Kommentare

  1. 27. August 2018 / 10:31

    Liebe Lea,
    Dieser Beitrag ist wieder Mal total schön geschrieben! Ich kann das absolut nachvollziehen wie du dich fühlst, mit diesem Zwang alles zu kontrollieren… Als ich einen Monat einfach Weg war, auf Reisen, war ich so glücklich wie noch nie. Jetzt, da ich wieder da bin, fühl ich mich eingeengt, die Motivation am Leben lässt nach, aber ich halte mir einfach vor Augen das ich bald wieder Reisen werde. 🙂 Irgendwie muss man sich das ganze auch finanzieren können, leider geht das nicht ohne Arbeiten.

    Liebe Grüsse,
    Sarah Marie von http://www.xoxsarahmariex.com

  2. Colli
    27. August 2018 / 11:11

    Ich bin sowas von bei dir!
    Unglaublich, wie schön das Leben sein kann, wenn man sich dazu entscheidet glücklich zu sein. Zufriedenheit und Demut, das sollten sich viele viel mehr zu Herzen nehmen!
    Liebst, Colli
    tobeyoutiful

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